Ein schöner Brauch in gewissen bunten Zeitschriften ist es,
unterhaltsame Sekundärinformation über prominente Persönlichkeiten zu liefern,
falls es gerade nichts Wichtiges zu berichten gibt. Ich finde, dass es nun an
der Zeit ist, auch hier sowas zu machen:
Zeitung: Am Telefon begrüße ich Hägen, den Regisseur von Captain
Kloppi. Hallo Hägen, vielen Dank, dass
du Zeit für uns hast.
Hägen: Gerne.
Zeitung: Lange
hat man nichts von Kloppi und den restlichen Leuten gehört. Was war los?
Hägen: Ich bin kürzlich nach Leipzig umgezogen. Da geht schon ein wenig
Zeit drauf. Außerdem haben wir immer noch kein DSL, da dieses magentafarbene
Telekommunikationsgigantenvieh es irgendwie geschafft hat, 2 Adressen (alt und
neu) unter einer Kundennummer anzulegen und natürlich die falsche Adresse an
seine ebenfalls magentafarbene Online-Provider-Garagenfirma zu übermitteln. Nun
bekomme ich Post an 2 verschiedene Adressen und die Online-Bude hat immerhin
eine Woche nach meiner Stornierung plötzlich auch bemerkt, dass was nicht
stimmt, und bietet an, den Auftrag zu stornieren.
Zeitung: Also wegen fehlendem DSL
gibt es keine Neuigkeiten?
Hägen: Ich bin außerdem seit einigen Monaten unter der Woche immer in
Hamburg. Das ist aber nicht so schillernd, wie es klingt. Denn ich bin
natürlich gar nicht in Hamburg, sondern ich sage das nur so, damit es
Global-Player-mäßig rüberkommt.
Zeitung: Ach so?
Hägen: Ja.
Eigentlich bin in Norderstedt. Das ist eine jämmerliche Stadt in den
gebrauchten Bundesländern. Hamburg ist aber ganz in der Nähe. Das
Gewerbegebiet, in dem ich meine Tage und Nächte verbringe, verbindet beide
Städte und mich auf unwürdige Weise.
Zeitung: Aber es
gibt ja auch tatsächliche Neuigkeiten zu berichten. Zumindest hattest du das
angedeutet.
Hägen: Richtig!
Die Zukunft von Captain Kloppi wird ein Experiment. Das Drehbuch für den 4.
Teil wird nicht von mir, sondern von allen Leuten geschrieben. Open Source, Networking, Wiki, freie
Meinung. Das sind so die Schlagworte die hier fallen.
Zeitung: Wie ist
das zu verstehen?
Hägen: Was genau
verstehst du nicht?
Zeitung: Freie
Meinung.
Hägen: Das ist
nur so. Das sind die Schlagworte, also das transportiert den Spirit. Es geht
darum, dass alle gemeinsam etwas schaffen, was dann auch allen gehört. Kloppi
Teil 4 wird zwar von mir verfilmt, aber am Drehbuch schreibt jeder, der Lust
dazu hat.
Zeitung: Was ist
daran ein Experiment? Heutzutage hat doch jeder was zu sagen. Unsere Redaktion
beschäftigt allein 7 EU-Gastarbeiter damit, jeden Tag die Leserbriefe zu
verbrennen. Dazu kommen noch 2 Germanistik-Studentinnen, die sich dann
ordentliche Leserbriefe ausdenken. Das läuft doch sicher völlig aus dem Ruder
mit dem Drehbuch.
Hägen: Das
eigentlich Experiment ist ja, dass sich die Leute auch mal zusammenreißen und
nicht immer nur ihr Gehirnklo auf Autopilot stellen. Bis jetzt hat das
Experiment gut funktioniert: Es steht fast noch nichts im Drehbuch drin.
Zeitung: Wird
denn auch zensiert? Was ist mit verfassungsfeindlichen Beiträgen oder
Urheberrechtsverletzungen? Hast du keine Angst vor Strafverfolgungen?
Hägen: So etwas
ist natürlich nicht gestattet und wird dann auch entfernt. Aber eine gestandene
Demokratie muss das verkraften können, wenn mal für einen halben Tag Dünnschiss
im Netz steht. Das bringt ja niemanden um die Ecke oder auf die schiefe Bahn.
In gewissem Maße ist auch dies ein Teil des Experiments.
Zeitung: Das war
jetzt aber kein versteckter Aufruf oder? Wir können den letzten Absatz aus dem
Interview streichen, wenn du möchtest.
Hägen: Nein, ich
verbitte mir diese weibermäßige Interpretationswut!
Zeitung: Meine
Prepaid-Karte ist gleich alle - wir müssen Schluss machen. Vielen Dank für das
Gespräch.